
Was Universelle Musik auszeichnet
Universelle Musik möchte Impulse für Musik in unterschiedlichsten Stilrichtungen geben.
Diese Impulse entstehen aus einem erweiterten Blick – und aus einer tiefen Ehrfurcht vor den universellen Gesetzmäßigkeiten, denen Schwingung, Mensch und Natur gleichermaßen unterliegen.
In allen Epochen gab es Musikschaffende verschiedenster Richtungen, die einem solchen universellen Ansatz gefolgt sind. In diesem Sinne ist Universelle Musik nicht zwingend neu. Und doch kann eine heutige Neuinterpretation Musik aus Begrenzungen befreien, die zur Zeit ihrer Entstehung noch selbstverständlich waren.
Ziel ist dabei nicht, dem Original möglichst nahe zu kommen, sondern die zugrunde liegende Intention zu erfassen – und sie neu zu beleben. Durch den Interpreten, durch seine Wahrnehmung und seine künstlerische Freiheit kann so eine neue, tiefere Resonanz beim Zuhörer entstehen.
Oft geht es dabei bewusst darum, die Beschränkungen unseres heutigen Tonsystems hinter sich zu lassen und das, was nicht im Einklang mit den Naturgesetzen steht, wieder in Einklang zu bringen.
Die Unendlichkeit der Zwischenräume
Die Klaviermusik aus der Begrenzung der zwölf Töne pro Oktave herauszuführen, kann ganz neue Welten und Möglichkeiten eröffnen. Sie kann uns einen unmittelbaren Zugang zu den Tiefen der Naturgesetze eröffnen – wenn wir das Klavier von seinen gewohnten Einschränkungen befreien.
Heute ist es möglich, das Klavier während des Spiels umzustimmen. Jeder Ton kann zum Grundton werden – bei potenziell unendlich vielen Tonhöhen pro Oktave. Auf diese Weise lässt sich Musik in einer neuen Dimension erschließen und über das Klavier nicht nur spielen, sondern auch verstehen.
Was hier beschrieben wird, erschließt sich auf unterschiedliche Weise – im Hören ebenso wie im Gestalten.
Professionelle Wege beschreiten hier etwa der Transducer-Flügel von Steingraeber oder Entwicklungen wie das Fluid Piano. Auch die Elektronik eröffnet neue Räume: Programme wie Pianoteq ermöglichen es heute vielen, Universelle Musik am Klavier kennenzulernen. In diesem Bereich ist eine kraftvolle Entwicklung im Gange.
Die Universelle Musik steht dabei auf den Schultern von Giganten – unermüdlichen Forschern und Entwicklern der mikrotonalen Musik, der Just-Intonation-Bewegung und der Ekmelischen Musik, die bisweilen unter dem avantgardistischen Begriff Xenharmonik zusammengefasst werden. Erst durch ihre Arbeit wird universelle Klaviermusik heute praktisch erfahrbar.
Im Unterschied zur Xenharmonik sagt Universelle Musik jedoch nicht: Das ist eine Ausnahme.
Sie sagt: Das ist das Eigentliche.
Und unser gewohntes Tonsystem ist ein Sonderfall.
Bekanntes in neuer Gestalt – ein Hauch von Freiheit
Ich verwende die Bezeichnung Klassische Musik als Überbegriff für Musik, deren wesentlicher Teil nicht durch Originalaufnahmen überliefert ist, sondern durch Notenmaterial. Diese Musik erreicht uns vor allem über Schrift, weniger über klingende Zeugnisse ihrer Entstehungszeit – und erschließt sich bis heute immer wieder neu im Hören.
Dadurch ist sie oft stark geprägt von Überlieferungen und Traditionen. Diese können Orientierung geben – aber auch zu einer Erstarrung führen, in der das Notenmaterial überbewertet wird und lebendige musikalische Zusammenhänge in den Hintergrund treten.
Ein Vergleich mit anderen Stilrichtungen wie Chanson, Musical, Jazz, Filmmusik oder auch populärer Musik zeigt: Selbst Aufnahmen, die unter unmittelbarer Aufsicht der Komponisten entstanden sind, weichen häufig deutlich von der Notation ab. Nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil Notation in erster Linie Ordnung beschreibt – nicht das klingende Leben selbst.
Die Universelle Musik sucht daher nach den stimmigen Freiheiten, die jede Musikrichtung in sich trägt und benötigt. So entsteht Raum für die Eigenart des Künstlers im Umgang mit der Musik, und vertraute Werke können neu mit Leben erfüllt werden – hörbar, unmittelbar und gegenwärtig.
Dabei kann Notation-A zusätzliche Klarheit im Bereich der Intonation und der rhythmischen Grundstruktur schaffen. Instrumentalstimmen lassen sich durch ergänzende Zeichen so erweitern, dass der harmonische Zusammenhang unmittelbar erfahrbar wird – nicht als Einschränkung, sondern als Orientierung im Klang.
Stimmung und Rhythmus – ein Raum für Kreativität
In der Arbeit mit Stimmungen geht es weniger um winzige Tonabstände als um das Entdecken von Toncharakteren. Musik wird nicht berechnet, sondern erfahren – im Zusammenspiel von Hören, Reagieren und Gestalten.
Für Improvisationen lassen sich aus einer prinzipiell unendlichen Vielfalt bestimmte Tonräume auswählen. Diese Auswahl entsteht nicht aus Theorie, sondern aus musikalischem Entdecken: aus dem unmittelbaren Erleben dessen, was trägt – und dessen, was nicht. Daraus entwickeln sich neue Möglichkeiten von Akkorden, Tonfolgen und Spannungsverläufen.
Auch vertraute Akkordstrukturen können sich aus der verwendeten Stimmung heraus neu ordnen. In Verbindung mit bestimmten rhythmischen Strukturen entstehen so Improvisationen und Stücke mit einem klaren, eigenen Charakter – geprägt durch das Zusammenspiel von Stimmung, Bewegung und Zeit.
Die Arbeit mit Stimmungen, die eine große Offenheit und Vielfalt ermöglicht, kann Jazz und Improvisation einen neuen kreativen Impuls geben – vergleichbar mit dem Experimentieren mit neuen Sounds in den 1990er- und 2000er-Jahren.
Notation-A kann Stimmungen und rhythmische Grundstrukturen mit wenigen Zeichen sichtbar machen. Darüber hinaus bietet sie praktische Orientierung für das Zusammenspiel: etwa im freien Rhythmus, im Folgen des Textrhythmus eines Sängers, im bewussten Setzen von Schwerpunkten oder in der differenzierten Auslegung binärer und ternärer Bewegungen – auch in kleineren Einheiten. Nicht als Einschränkung, sondern als Unterstützung für lebendige Improvisation.
Die Stimme als Ursprung
Während das Klavier bislang einen Zugang zu unserem heutigen Tonsystem eröffnet, wird Chor- und Vokalmusik zur eigentlichen Basis der Universellen Musik. Denn hier begegnet uns Schwingung ohne technische Hilfsmittel – unmittelbar, körperlich und lebendig.
Die menschliche Stimme bildet die universelle Vielfalt der klanglichen Möglichkeiten auf natürliche Weise ab. Im Gesang gibt es keine festen Grenzen. Wir erleben Spannungen zwischen Textrhythmus und musikalischem Fluss, zwischen Linie und Ausdruck, zwischen innerer Bewegung und äußerem Klang.
Unser Gehör führt uns dabei direkt zur Universellen Musik. Die Theorie steht nicht am Anfang – sie folgt dem Erleben. Sie hilft, das Empfundene zu verstehen, einzuordnen und bewusster zu gestalten.
Mit den neuen Möglichkeiten des Klaviers kann dieser Prozess unterstützt werden. Es wird zum vermittelnden Instrument, das Sänger und Chöre dabei begleitet, das ihnen eigentlich natürliche Tonsystem wiederzuentdecken und in der gemeinsamen musikalischen Praxis umzusetzen.
Wahrhaftigkeit als Weg
Gerade in der Meditation gewinnt Musik eine besondere Bedeutung. Hier geht es nicht um Atmosphäre oder Wirkung, sondern um Wahrnehmung, Präsenz und innere Ausrichtung. In diesem Sinn kann Universelle Musik zu einem tragenden Element werden, weil sie sich an den universellen Gesetzmäßigkeiten der Schwingung orientiert.
Unser gewohntes, temperiertes Tonsystem ist in vielen musikalischen Zusammenhängen praktikabel. In meditativen Räumen jedoch kann es eine Ordnung suggerieren, die eher normierend als wahrhaftig wirkt. Die Schwingungen der natürlichen Intervalle fordern uns oft stärker heraus. Sie konfrontieren uns mit Qualitäten, die nicht geglättet sind – mit Spannungen, Reibungen und Eigenarten, die gehört und ausgehalten werden wollen.
Diese Erfahrung hat eine enge Parallele zur Meditation selbst. Auch sie führt nicht zwangsläufig in Ruhe oder Wohlgefühl, sondern zunächst in eine gesteigerte Wahrnehmung dessen, was ist. Gerade darin liegt ihr Potenzial: Nicht im Ausweichen vor dem Ungewohnten, sondern im bewussten Annehmen als Teil einer größeren Ordnung.
Universelle Musik kann diesen Prozess unterstützen, indem sie Schwingung nicht vereinheitlicht, sondern differenziert erfahrbar macht. Natürliche Intervalle besitzen jeweils einen eigenen Charakter – sie können spannungsvoll, herausfordernd, öffnend oder tragend wirken. Entscheidend ist nicht das Intervall an sich, sondern der Zusammenhang, in dem es verwendet wird. So kann Meditation durch Universelle Musik in Räume führen, die tiefer reichen als bloße Beruhigung – hin zu Klarheit, Stimmigkeit und innerer Wahrhaftigkeit.
Davon zu unterscheiden ist Entspannungsmusik, die bewusst andere Schwerpunkte setzt. Hier geht es weniger um Konfrontation als um Loslassen und Regeneration. Während in der Meditation auch spannungsreichere natürliche Intervalle ihren Platz haben können, wird in der Entspannung mit ausgewählten, einfachen Intervallverhältnissen gearbeitet. Insbesondere die reine Terz im Verhältnis 5:4 kann dabei eine Ruhe vermitteln, die nicht oberflächlich wirkt, sondern bis in die Tiefe trägt.
Auch hier zeigt sich die Qualität der Universellen Musik: Nicht durch Vereinfachung, sondern durch stimmige Auswahl und bewussten Umgang mit Schwingung entsteht Entspannung, die in tiefere Dimensionen vordringt.

Warum hier keine Musik zu hören ist
Auf den öffentlichen Seiten dieser Website finden sich bewusst keine Musikbeispiele. Einzelne Hörproben könnten leicht den Eindruck erwecken, man könne daraus ableiten, wie Universelle Musik „klingt“. Das würde ihrer Vielfalt, Offenheit und Lebendigkeit nicht gerecht werden.
Universelle Musik lässt sich nicht auf einen Stil, eine Ästhetik oder eine bestimmte Klanggestalt festlegen. Sie lebt von unterschiedlichen Zugängen, Kontexten und Ausdrucksformen.
Aus diesem Grund gibt es einen internen Bereich, in dem Musikbeispiele in großer stilistischer Vielfalt zugänglich sind. Dieser Bereich richtet sich an Hörende ebenso wie an Musikschaffende. Er versteht sich nicht als Sammlung fertiger Antworten, sondern als Raum für Anregungen, Impulse und Einblicke in meine musikalische Arbeit. Die Inhalte werden fortlaufend ergänzt und weiterentwickelt.
Der Zugang zu diesem internen Bereich ist kostenfrei. In der Regel ist dort mindestens ein Werk pro Album frei zugänglich. Weitere Inhalte können hinzukommen oder sich im Laufe der Zeit verändern.
Ebenso ist dort die Notation-A für Musikschaffende frei zugänglich. Sie ist als offenes, sich entwickelndes Werkzeug gedacht. Einführende Materialien stehen kostenfrei zur Verfügung, weiterführende Vertiefungen ergänzen das Angebot in Form ausführlicher Videoformate.
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Ich freue mich über Dein Interesse und wünsche Dir inspirierende Einblicke in die Universelle Musik.
